Fragen kostet nichts

Alltagsfragen – Darf ich Sie mal was fragen?

Oder zumindest fast nichts, denn Überwindung kann es schon kosten, einen fremden Menschen einfach so anzusprechen. Neulich hat mich die Zeitschrift Freundin darum gebeten, aus meiner Sicht zu beschreiben, wie man Unbekannte am besten anspricht. Dieses Thema führt direkt zu einer weiteren wichtigen Frage: Wie hält man es heute mit dem Siezen oder Duzen?

Wie werden Sie denn gerne angesprochen?

Kurz bevor Sie eine fremde Person ansprechen, schalten Sie am besten Ihre Menschenkenntnis ein. In der Regel hat man schon nach wenigen Sekunden einen ersten Eindruck davon, ob die Person einem sympathisch erscheint oder nicht. Prüfen Sie auch kurz, ob Sie denjenigen oder diejenige stören könnten, etwa ob die Person gerade telefoniert oder in Eile ist. Stellen Sie dann vor dem ersten Wort einen freundlichen Blickkontakt her und lächeln Sie dazu. Indem Sie einen Schritt auf die Person zugehen, aber ihr dennoch nicht zu nahe kommen, machen Sie deutlich, dass Sie ein Anliegen haben.

Ideen für eine erfolgreiche Kontaktaufnahme

Wird man von einem Fremden angesprochen, ist das immer ein Moment der Überraschung. Schließlich wissen Sie nicht, in welcher Stimmung sich die andere Person gerade befindet oder bei welchen Gedanken Sie sie unterbrechen. Um diese kleine Störung vorwegzunehmen, ist eine nicht allzu offensive Frage („Entschuldigung, darf ich Sie mal etwas fragen?“)immer noch der beste Einstieg. Sie werden dann ja schnell sehen, ob Ihr Gegenüber verunsichert reagiert oder selbstbewusst Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Drei gute Gründe für das Siezen von Fremden

Drei gute Gründe für das Siezen von Fremden

Wie Sie an meinem Blog und auch an meinem kurzen Statement für die Zeitschrift Freundin sehen können: Ich bevorzuge im Kontakt mit unbekannten Menschen zunächst das „Sie“ und möchte Ihnen auch verraten, warum.

 

  1. Sie kennen Alter, Status und Einstellung von fremden Personen nicht.
  2. Das Siezen wird jeder als höfliche Ansprache auffassen, das Duzen kann verärgern.
  3. Vom „Sie“ zum „Du“ kann man schnell wechseln, umgekehrt gilt das nicht.

 

Bedenken Sie allerdings auch: Das Duzen ist in der Freizeit heute so verbreitet, dass Sie möglicherweise ungefragt zurück geduzt werden. Vielleicht haben Sie noch die geläufige Regel im Ohr, derzufolge ein „Du“ angeboten werden muss. Das halte ich persönlich für überholt, denn die meisten Menschen wollen sich heute – egal ob auf der Straße oder im Internet – auf Augenhöhe begegnen und unkompliziert miteinander in Kontakt kommen.

Wie man Kollegen und Vorgesetzte am besten anspricht

Wer neu in einem Unternehmen ist, sollte sich als erstes nach der Unternehmensphilosophie erkundigen. In manchen Branchen und in neuen oder kleinen Unternehmen duzt oftmals jeder jeden. Ansonsten ist das „Du“ vor allem unter direkten Kollegen verbreitet: Nach einer Befragung des Jobportals Indeed duzen rund 70 Prozent der Angestellten ihre Kollegen. Knapp die Hälfte der Befragten gibt jedoch an, dass Vorgesetzte anders angesprochen werden.

Wer andere mit „Du“ anspricht, der erzeugt eine vertrauliche und lockere Atmosphäre. Das ist erst einmal angenehm, denn man kommt leichter ins Gespräch und hat gefühlt mehr Spaß bei der Arbeit. Allerdings verführt das Duzen auch dazu, private Angelegenheiten auf der Arbeit zu erzählen oder unpassende Anspielungen zu machen. Ändert sich das Betriebsklima, können einem solche Äußerungen auf die Füße fallen.

 

Das „Sie“ ist eine distanzierte, aber auch respektvolle Ansprache. Wer andere siezt, bleibt auch in schwierigen Situationen leichter beherrscht. Gehen Sie es im Kopf einmal durch, die meisten Schimpfwörter erscheinen in Kombination mit einem „Sie“ unpassend. Das Siezen kann allerdings auch autoritäres Verhalten begünstigen, weil es die Hierarchien betont. Eine Unternehmenspraxis, in der ohne erkennbare Regeln gleichzeitig gesiezt und geduzt wird, sorgt unnötig für Verunsicherung. Wer selbst einmal in dieser Hinsicht verunsichert ist, fragt am besten ohne zu Zögern nach, welche Ansprache generell üblich oder individuell gewünscht ist. 

Fazit

Das „Sie“ ist immer noch erste Wahl bei der Ansprache fremder Menschen, egal in welchem Kontext. Es hängt dann von den Beteiligten ab, ob es sofort, später oder nie in ein „Du“ umgewandelt wird.

Freundin Magazin Businessknigge Auszug

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FREUNDIN

Ausgabe 22/2020
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